PortuguêsEspañolEnglish
Freidenkertum
Für Deutsch aktivieren Sie die Untertitel

Was Freidenkertum ist

und warum es besser ist, ein Freidenker zu sein

Navigationsmenü öffnen
Freidenkertum ist das Gegenteil von dogmatischem Denken. Folglich kann nichts mit dem Freidenkertum unvereinbarer sein als religiöser Glaube, denn in nichts steckt mehr Dogmatismus als in der Religion.
Wenn Dogmatismus Gefangenschaft des Geistes ist, religiöse Überzeugungen können nichts anderes sein. Religion ist schädlich, weil sie vorschreibt, wie die Menschen denken sollen und woran sie glauben müssen. Von allen Dogmatismen ist Religion jedoch der schlimmste, da sie ihren Anhängern auch die Angst zu zweifeln einflößt. Und das tut sie auf perverse Weise: Durch Androhung von Strafe. So unglaublich es klingt, Milliarden von Menschen akzeptieren diese offensichtliche Absurdität, als ob es mit Folter in einem See aus Feuer und Schwefel angedroht zu werden die natürlichste Sache der Welt wäre.
Ein Freidenker ist jemand, der keine unbezweifelbaren und unbestreitbaren “Wahrheiten” akzeptiert, insbesondere religiöse, die durch “Offenbarung” aufgezwungen werden. Wenn Offenbarungen etwas wert wären, müssten alle Religionen wahr sein. Tatsächlich kann jeder behaupten, eine göttliche Offenbarung gehabt zu haben, und niemand wird in der Lage sein zu beweisen, dass es sich um Wahnvorstellung oder Lüge handelt. Da für Freidenker intellektuelle Ehrlichkeit über allem steht, für sie Wahrheit ist nur das, was auf Beweisen beruht.
Es gibt keine größere Wonne, als ein Freidenker zu sein.(Paulo Bitencourt)
Im Prinzip ist der Freidenker der Existenz Gottes nicht entgegengesetzt. Der Freidenker ist dem Glauben ohne Beweise und der Akzeptierung ohne Hinterfragung entgegengesetzt. In der Tat, wenn die Existenz Gottes so offensichtlich wäre, wie es die religiösen Menschen behaupten, gäbe es keine Notwendigkeit zu glauben, denn was offensichtlich ist wird nicht angezweifelt. Wenn jedoch der Glaube an Gott Glauben erfordert, ist der Glaube selbst ein Hinweis dafür, dass Gott nicht existiert. Auf der anderen Seite, wenn Gott existiert, ist es nicht notwendig, an ihn zu glauben, und wenn er nicht existiert, viel weniger.
Zusätzlich zu Nonkonformismus mit dem Tod und zu Angst vor der Hölle, glaube ich, dass die große Mehrheit der religiösen Menschen an Gott glaubt, weil sie es nicht erträgt, nicht zu wissen, warum das Universum existiert und wie das Leben entstanden ist. Es ist jedoch keineswegs beschämend, die Antworten zu allen Fragen nicht zu wissen. Ganz im Gegenteil: Da es intellektuelle Ehrlichkeit ist, ist das Bewusstsein des Nichtwissens befriedigender als die Illusion des Wissens.
Ich denke, leben ohne zu wissen ist viel interessanter als Antworten zu haben, die falsch sein können.(Richard Feynman, Nobelpreisträger für Physik)
Wer “Wahrheiten” akzeptiert, die nicht auf Beweisen beruhen, ist irrational, und in der Irrationalität gibt es keine Kriterien. Leute, die zum Beispiel an Engel und Dämonen glauben, haben keine rationalen Gründe, an der Existenz von Feen und Kobolden zu zweifeln, und sind nicht in der Lage, diejenigen zu verachten, die an Vampire und Werwölfe glauben. Überdies wer findet, dass ein Atheist zu sein unlogisch ist, kann es nicht blöd finden, mit Orishas zu sprechen, oder falsch, ein Muslim zu sein.
Nur Freidenker sind wahrhaftig rationale Menschen. Ihre Skepsis lässt sie von keiner Ideologie eingewickelt werden. Indem sie an nichts glauben, was nicht auf Beweisen beruht, sind Freidenker auch gegen jede Art von Aberglauben immun.
Religion ist ein angenehmes Gefängnis: Mit ihrer Vorstellung von auserwähltem Volk lässt sie ihre Gefangenen sich für etwas besonderes halten. In der Tat Gefangener einer Religion zu sein is vor allem bequem, denn man lebt in der süßen Illusion, am Ende des Weges angelangt zu sein und die Wahrheit gefunden zu haben, die einzig und folglich für die ganze Menschheit gültig wäre. Da frei zu sein schwieriger ist als gefangen zu sein, ein Freidenker zu sein ist nicht bequem, aber das Bewusstsein intellektueller Ehrlichkeit ist ausgesprochen lohnend.(Paulo Bitencourt, in Liberto da Religião)
Paulo Bitencourt